Ich habe sehr muskulöse Waden und vorgewölbte Oberschenkel- was die Hosenpassform nicht gerade verbessert. Ich habe mit Schnittanpassungen dafür experimentiert.
Ausgangspunkt war das Schnittmuster Onion 4029 mit diversen schon vorher durchgeführten Anpassungen. Als Material dienten die noch guten Seitenteile eines durchgelegenen Spannbettlakens aus einem fast unelastischen Single-Jersey. Ich habe die Vorderhose im Oberschenkelbereich und die Hinterhose im Wadenbereich um jeweils 2 cm weiter gemacht.
Das Ergebnis: Seiten und Innenbeinnähte passten immer noch auf den Millimeter zusammen! Die Hose fühlt sich bequemer an als ihre Vorgänger. Sie erfüllt ihren Zweck als Schlafanzughose. Der Stoff staut sich nicht mehr über der Wade und die Seitennaht ist jetzt gerade. Allerdings sitzt der Stoff an der Wade immer noch stramm- beim nächsten Mal geben ich noch einen Zentimeter zu. Und es gibt natürlich an anderer Stelle Optimierungsmöglichkeiten 🙂
Oberschenkelanpassung
Die Oberschenkelanpassung wird überall gleich beschrieben. Es gibt gute Videos von Karen Natalie Nolte und Eva Küpper dazu. Ich bin der Anleitung in Guido Hofenbitzers "Maßschnitte und Passform" gefolgt. Laut Hofenbitzer man mit der Methode das Vorderteil um bis zu 3cm breiter machen. Das war relativ unproblematisch. Bei der Methode muss auch die Hüftpassentasche anpassen . Ich habe sie für das Probemodell einfach weggelassen.
Wadenanpassung
Für die Unterschenkelanpassung gibt es verschiedene Methoden. Bei den meisten wird der Saum weiter und auch der Oberschenkel weiter. Ich habe nur eine einzige Anleitung gefunden, bei der man nur den Wadenbereich vergrößert: https://www.youtube.com/watch?v=ty5Wm2Aez2E.
Die Wadenanpassung ist wegen der kleinen Elemente und starken Verschiebung fummeliger als die Oberschenkelanpassung. Ich brauchte 3 Anläufe, bis ich endlich ein Schnittmuster hatte.
Tipps für Slash-and spread-Schnittmusteranpassung
Ein paar praktische Tipps für Leute, die die "Slash-and-spread"- Methode für die Schnittmusteranpassung verwenden möchten.
1. Man sollte mit einem Schnittmuster ohne Nahtzugabe arbeiten, sonst macht man sich das Leben unnötig schwer.
2. Seidenpapier funktioniert schlecht wenn man kleine Elemente stark verschieben muss wie bei der Wadenanpassung. Ich schaffte es nicht, das Papier komplett flach zu legen. Am Ende waren die Nahtlinien zu kurz. Packpapier funktionierte wesentlich besser.
3. Bei der "Slash-and-spread"-Methode muss man Papier unterlegen, um die Lücken zu schließen und die Papierelemente zu fixieren. In den Videos werden irgendwelche Papierfetzen verwendet. Es funktioniert viel besser, wenn man Papier unterlegt, dass größer als der gesamte Hosenschnitt. Ich habe mir dort Hilfslinien (Mittelline/ Fadenlauf, Knielinie, Saumkante ) eingezeichnet, die bei der Ausrichtung und beim Einhalten der Längen halfen. Dann noch die Nahtzugabe auf dem Unterlegepapier anzeichnen- und fertig ist das Schnittmuster. Zum Unterlegen habe ich Maler-Abdeckpapier verwendet. Das ist ziemlich dick, und man kann beim Übertragen auf den Stoff gut um die Kanten rum zeichnen

